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LIBERIA - Freude am Leben
Schwerpunkt: GesundheitProjektnummer: 191
Medizinische Versorgung für Leprakranke
Aus der eigenen Dorfgemeinschaft verbannt – weil die anderen fürchteten, ebenfalls krank zu werden. Hände und Füße verloren, verkrüppelt, blind – weil die medizinische Versorgung fehlte. Das Zuhause zerstört, das Feld verwüstet – weil der Bürgerkrieg im Land tobte: Leprakranke in Ganta, Liberia.
Der Frieden hat neue Hoffnung gebracht, das zerstörte Lepradorf wurde wieder aufgebaut,
den Familien konnte geholfen werden, sich wieder weitgehend selbst zu versorgen. Mit diesem Projekt soll die medizinische Betreuung der Leprakranken und ihrer Familien gesichert werden. Mit dem Frieden im Land soll auch wieder die FREUDE AM LEBEN einziehen.
Reich mir die Hand
„Ich bin sofort von Leprakranken umringt und werde mit großer Neugierde betrachtet. Alle strecken mir die Hände entgegen und ich ergreife sie, beziehungsweise das, was davon noch übrig geblieben ist. Später erfahre ich, dass das ein Test ist, um zu sehen wie ich reagiere.
Jeder sagt: Hallo, ich heiße …, und ich antworte: Hallo, ich bin Maria.“
So berichtete eine Mitarbeiterin unserer Partner-Organisation Misereor über ihren Besuch im Lepradorf Ganta im Norden von Liberia.
„Nach der Begrüßungszeremonie geht ein Leprakranker mit mir durch das Dorf und zeigt mir die ehemalige Krankenstation und die Apotheke, die Werkstatt, in der die orthopädischen Behelfe erzeugt wurden, die eingestürzten Lehmhütten der Familien, die Teiche, in denen es keine Fische mehr gibt, die brachliegenden Felder. Man sagt mir, dass es den Leprakranken früher gelungen ist, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Und dass sie alles tun, um wieder so wenig wie möglich von fremder Hilfe abhängig zu sein.“
Krieg, Friede …
Hungernde Rebellen hatten während des Bürgerkriegs bei ihren wiederholten Überfällen die Häuser der Leprakranken geplündert und zerstört, die Tiere gestohlen, die Felder verwüstet, sogar die Fischteiche geleert. Die Bewohner des Gebietes sind, so wie hunderttausende andere Liberianer, in Nachbarländer geflohen. Viele Kranke mussten jedoch bleiben, weil sie mit ihren verstümmelten Beinen nicht laufen konnten. Einigen gelang es, trotz allem zu überleben, anderen nicht. 2004 wurden in der Provinz Gbarnga, zu welcher Ganta gehört, UNO-Soldaten stationiert, und seit 2006 regiert eine Frau das Land: Ellen Johnson-Sirleaf, die mit ambitionierten Plänen versucht, das Land aus seiner dunklen Vergangenheit herauszuführen.
Die Mitarbeiter der Diözese Gbarnga, die sich vor dem Bürgerkrieg intensiv um die medizinische Betreuung der Bevölkerung bemüht hatten, konnten ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Unterstützt wurden sie dabei vom Entwicklungshilfeklub, der seit 2004 gemeinsam mit seiner Partner-Organisation Misereor am Neuaufbau des Lepradorfes mitwirkte.
… und ein Neubeginn
Mit dem Projekt 191 – Freude am Leben konnte der Entwicklungshilfeklub dank seiner Spenderinnen und Spender dazu beitragen, den Leprakranken wieder ein Zuhause und eine Existenzgrundlage zu schaffen:
– Reparatur oder Neubau der Lehmhäuser sowie Brunnen und Wasserleitungen,
– Werkzeuge und Geräte für die Feldarbeit, damit die Familien wieder Reis
und Gemüse anbauen können,
– Instandsetzung der Fischteiche und Aufzucht von Schweinen, um eine weitgehende Selbstversorgung zu sichern.
Im Lepradorf Ganta können die Kranken und ihre Familien wieder ohne Angst leben und mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
Die Ausgestoßenen
Lepra, auch Aussatz genannt, ist eine Infektionskrankheit, welche die Haut und die Schleimhäute zerstört. Ausschlag, Beulen oder das Abfaulen von Gliedmaßen sind mögliche Folgen, Gefühllosigkeit führt zu schweren Verletzungen, die Unfähigkeit, die Augenlider zu schließen zur Erblindung. Lepra ist heute mit einer relativ einfachen, jedoch langwierigen Behandlung heilbar. Ein großes Problem ist nach wie vor die seit biblischen Zeiten bestehende Stigmatisierung der Betroffenen, die aus Angst vor Ansteckung aus der Gemeinschaft, oft auch aus der Familie, ausgestoßen werden.
Trotzdem Freude am Leben
Das Lepradorf Ganta ist der einzige Ort im Norden Liberias, wo sich Leprakranke
medizinisch behandeln lassen können. Über 800 Erkrankte haben sich hier niedergelassen. Das sind einige der Bewohner des Dorfes, die das gemeinsame Schicksal, aber auch die gemeinsame Hoffnung und Lebensfreude verbindet:
Koljo lebt seit vielen Jahren im Lepradorf. Er ist sehr geschickt in der Bearbeitung von Holz, obwohl er keine Finger mehr hat. Auch seine Füße sind völlig verkrüppelt. Medizinisch ist er von der Lepra geheilt, doch von seiner alten Dorfgemeinschaft ausgestoßen, weiß er nicht, wo er sonst leben könnte.
William kommt aus einer Küstenprovinz ganz im Süden des Landes. Als er von seiner Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wurde, hörte er von Ganta und er hat es im Rollstuhl bis hierher geschafft.
Sacki war 11 Jahre alt, als man ihn in Ganta aussetzte, weil seine Erkrankung
von den Bewohnern seines Dorfes als schlechtes Omen betrachtet wurde. Seitdem hat er weder seine Eltern noch seine Geschwister wiedergesehen.
Toms Hände und Füße sind schwer verstümmelt. Die Krückstöcke werden mit elastischen Bändern an seine Handstümpfe gebunden. Es ist eine wahre Tortur für ihn, sich zu bewegen, aber er will unbedingt selbständig gehen.
Unser Beitrag
Mit diesem Projekt soll die medizinische Versorgung von 800 Leprakranken in Ganta sichergestellt werden. Diese erfolgt durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenstation im Lepradorf, beinhaltet auch die Behandlung anderer Krankheiten und Verletzungen und schließt die Familienmitglieder mit ein. Das Lepradorf wird von der Diözese Gbarnga verwaltet und im Rahmen eines umfassenden Hilfs- und Entwicklungsprogramms für die ganze Region auch von unserer Partner-Organisation Misereor unterstützt. Viele Bewohner können mit Reisanbau, Kleintierzucht sowie ihrer Arbeit in den orthopädischen und kunsthandwerklichen Werkstätten im Dorf wieder weitgehend ihre Existenz sichern. Die notwendige medizinische Betreuung, um ein neuerliches Auftreten der Lepra zu verhindern und ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren, soll ihnen trotz allem ein Leben in Würde und Freude ermöglichen.
Für einen Leprakranken werden 22,– Euro für ein Jahr erbeten.
Mit dem Frieden im Land
soll auch Frieden in die Herzen der Menschen einziehen.
Helfen wir ihnen, auch die Freude am Leben wieder zu erlangen.
Finanzieller Anteil:
132,– EUR (Kosten für medizinische Versorgung für einen Leprakranken und seine Familie) => Betrag von 1 Mikro
Anteilstein:
22,– EUR (Kosten für Versorgung für ein Mitglied der Familie) => Betrag von 1 Anteilstein
Projektdurchführung:
Misereor (Partner-Organisation des Klubs)
Diözese Gbarnga und Medical Missionaries of Mary (Projektträger)
Schwester Gaudi Aricocchi (Projektleiterin)
Projektstart:
Juli 2010






