

NEPAL - Segen der Götter
Schwerpunkt: GesundheitProjektnummer: 244
Hilfe für seelisch und geistig Notleidende
Menschen, die an seelischen oder geistigen Krankheiten leiden, bleiben im ländlichen Nepal völlig unversorgt. Ihr Leiden gilt als Strafe eines Gottes. Ihre Familien stehen ihrer Not aus Unwissenheit und wegen fehlender Therapiemöglichkeiten hilflos gegenüber. Viele werden alleine gelassen und haben keine Aussicht auf Umsorgtwerden und ein menschenwürdiges Leben.
Mit einer mobilen Klinik kann Hilfe geleistet werden. Ein Psychiater und sein Team kommen in die größeren Orte und behandeln und betreuen die bisher Alleingelassenen, die aus ihren Dörfern dorthin kommen. So kann sich die vermeintliche Strafe eines Gottes in den SEGEN DER GÖTTER verwandeln.
Ein Leben im Dunkeln
„Als wir im Dorf ankommen, werden wir in eine ärmliche Hütte geführt. In der dunkelsten Ecke, wo kein Tageslicht hinkommt, liegt die Frau auf einer Decke auf dem Boden. Maile, so heißt sie, verlässt die Hütte seit Jahren nicht mehr. Die Rituale des Schamanen haben nichts genützt. Ohne Hilfe wird sie den Rest ihres Lebens im Dunkeln dahinvegetieren und niemand kümmert sich um sie.“
Was hier von einem Mitarbeiter einer Hilfsorganisation beschrieben wird, ist Alltag für Menschen mit einer seelischen oder geistigen Beeinträchtigung, vor allem in den mehr oder weniger abgelegenen Dörfern des ländlichen Nepal.
Die Strafe eines Gottes
Seelische und geistige Beeinträchtigungen werden in Nepal bis heute von fast allen Bewohnern als Strafe eines Gottes gesehen. Als häufige Krankheitsursache gilt die Respektlosigkeit gegenüber kosmischen Kräften und sozialen Normen. Die Behandlung erfolgt durch ein Ritual eines Schamanen oder einer Schamanin. Schamanismus als älteste spirituelle Praxis der Menschheit ist im heutigen Nepal weit verbreitet. Auf dem Land werden 90 Prozent der Kranken von Schamanen behandelt. Da die Schamanen ein Naheverhältnis zu ihren Patienten haben und sie gut kennen, ist die Kombination aus Glauben und heilkundlichem Wissen oft hilfreich. Bei schwereren seelischen oder geistigen Beeinträchtigungen sind ihr allerdings Grenzen gesetzt. Wenn die Rituale nichts nützen, so gilt diese Strafe eines Gottes als schlimmer Makel für die Familie. Die Krankheit wird nach Möglichkeit verheimlicht, was sich tragischerweise auch im schamvollen Verbergen des unglücklichen Betroffenen äußern kann. Aufgrund fehlenden Wissens und mangelnder Therapiemöglichkeiten werden dann viele Kranke mehr oder weniger sich selbst überlassen.
Ihre Not ist groß
Menschen, die an schwereren Beeinträchtigungen leiden, sind auf dem Land von einer Versorgung im westlichen Sinne völlig ausgeschlossen. Die wenigen nepalesischen Psychiater praktizieren nahezu ausschließlich im Großraum Kathmandu. Dabei geht es unter anderem um Krankheitsbilder wie Depressionen, Angststörungen, Alkoholismus, Psychosen, manisch-depressives Kranksein. Aber auch, weil in Nepal zwischen seelisch und geistig kaum unterschieden wird, um geistige Behinderung - entstanden zum Beispiel durch fehlende medizinische Versorgung bei der Geburt. Maile, die an einer schweren Depression leidet, hatte bisher keine Chance auf ein helfendes Medikament, weil das Wissen in ihrer Familie und im Dorf nicht vorhanden ist und auch kein Arzt, der eine Depression diagnostizieren und behandeln könnte. Außerdem sind die meisten Familien viel zu arm, um sich eine Behandlung in Kathmandu leisten zu können.
Kaum Chancen auf ein menschenwürdiges Leben
Es wären also nicht nur Medikamente nötig, sondern zuvor noch die Aufklärung der Familienangehörigen darüber, dass es sich hier um behandelbare Krankheiten handelt und dass diese Menschen aufgrund ihres Krankseins Verständnis, Zuwendung, Fürsorge und Pflege brauchen. Zuallererst geht es um eine Änderung der Sichtweise und damit das Ermöglichen von Eigeninitiative. Hier geht es um Menschen, die bisher kaum Chancen auf ein menschenwürdiges Leben haben, um Hilfe für bisher nicht Umsorgte und Alleingelassene.
Hilfsorganisationen als Vorreiter
1991 wurde der christliche Orden Maryknoll Nepal gegründet und begann, seelisch und geistig beeinträchtige Menschen aus Gefängnissen zu befreien, die bis dahin nur wegen ihrer Krankheit über Jahre eingesperrt wurden. In vielen Fällen gelang dies.
Inzwischen ist die praktische Arbeit für psychisch Leidende und geistig Behinderte an die säkulare nepalesische Hilfsorganisation Aasha Deep (Licht der Hoffnung)
übergegangen, Maryknoll bleibt Rechtsträger. Mit ihren Bemühungen nehmen die beiden Hilfsorganisationen bis heute eine Vorreiterrolle in Nepal ein.
Behandlung, Betreuung, Rehabilitation
Für schwerst Kranke und von ihrer Familie im Stich Gelassene wurde nahe Kathmandu ein Behandlungszentrum mit 40 Plätzen eingerichtet. Sie werden von einem Psychiater betreut, eine Wiedereingliederung in die Familie wird versucht.
Daneben gibt es zwei Tageszentren, wo jeweils 20 Personen Struktur und Halt finden. Ziel ist, dass die Betreuten so selbständig wie möglich werden. Zentral ist auch die Öffentlichkeitsarbeit, durch welche die so wichtige Veränderung in der Einstellung der Nepalesen zu psychischer und geistiger Krankheit erreicht werden soll. Extrem arme Familien von Notleidenden erhalten Sozialhilfe (Essen, Medikamente ...).
Mobile Klinik für die Landbevölkerung
Um auch die Menschen in den ländlichen Gebieten und in entlegenen Dörfern zu erreichen, wird seit einigen Jahren eine mobile Klinik betrieben. Nur dadurch erhalten auch die sehr armen Leute aus den Dörfern Behandlung und Medikamente.
– Das Herzstück der geplanten Bemühungen ist eine ‘mobile Gesundheitsklinik’. Ein Psychiater, eine psychiatrische Krankenschwester und ein Sozialarbeiter reisen regelmäßig in die Distrikthauptstädte, wohin die Leute aus den Dörfern leichter kommen können, und führen Behandlungen und Beratungen durch;
– Eine Woche vorher wird vor Ort eine Aufklärungsveranstaltung durchgeführt. Diese Wissensvermittlung zu seelischen und geistigen Beeinträchtigungen soll Angehörige ermutigen, die Notleidenden zur mobilen Klinik zu bringen und die Bevölkerung informieren: Schulkinder, Behördenvertreter …;
– Hausbesuche durch die psychiatrische Krankenschwester und den Sozialarbeiter schließen sich an: geplant sind Hausbesuche bei jenen Erkrankten und ihren Familien mit dem höchsten Betreuungsbedarf;
– Die Patienten aus den ärmsten Familien erhalten zusätzliche Unterstützung: Geld für Essen und Kleidung, Ermöglichung eines Krankenhausaufenthaltes sowie Einkommen schaffende Maßnahmen, um die Existenz der Familie abzusichern.
Unser Beitrag
Der Entwicklungshilfeklub möchte die Ausweitung der Bemühungen für Menschen in 45 Distrikten (von insgesamt 75 in Nepal) ermöglichen, für die es bisher keinerlei Versorgung gab: Betrieb der mobilen Klinik mit Medikamenten, Hausbesuchen, Sozialhilfe sowie die Durchführung des Aufklärungsprogramms. Für 50 psychisch oder geistig Notleidende werden 304,– Euro pro Jahr benötigt.
Auch die leidgeplagten Menschen aus den Dörfern
sollen die Möglichkeit einer psychiatrischen Betreuung erhalten
und statt der Strafe eines Gottes nun den
Segen der Götter erhalten.
Finanzieller Anteil:
304,– EUR (Psychiatrische Behandlung und Betreuung für 50 Notleidende) => Betrag von 1 Mikro
Anteilstein:
30,40 EUR (Psychiatrische Behandlung und Betreuung
Projektdurchführung:
Misereor (Partner-Organisation des Klubs)
Aasha Deep, Maryknoll Nepal (Durchführung im Einsatzgebiet)
Prabhat Kiran Pradhan (Projektkoordinierung)
Projektstart:
Juli 2010






