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Projekte

Bild zum Projekt: INDIEN - Blatt für Blatt
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INDIEN - Blatt für Blatt

Schwerpunkt: Existenzsicherung
Projektnummer: 259

Gewinnung und Verarbeitung von Bananenfasern
Die Flüsse treten aus den Ufern, suchen sich manchmal ein neues Bett, überfluten mit den Wassermassen aus dem Himalaja Dörfer und Felder und lassen Schlamm zurück - sowie verzweifelte, hungernde und kranke Menschen. Der Bundesstaat Bihar im Norden Indiens hält im landesweiten Vergleich traurige Rekordein Bezug auf Armut und Elend.

Selbsthilfegruppen sind ein wesentlicher Faktor für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt: Frauen in den Dörfern schließen sich zusammen, um aus den Fasern der im Schlamm gedeihenden Bananenstauden Produkte zu erzeugen und mit dem Gewinn die Existenz ihrer Familien zu sichern. BLATT FÜR BLATT wird das Leben besser.

Wieder einmal und immer wieder
Der Fluss hat wieder einmal sein Bett gewechselt und fließt jetzt dort, wo unsere Hütten standen. Deshalb lagern wir wieder einmal hier am Rand der Straße. Die Frauen bangen um ihre Kinder, die fiebern, husten und weinen. Und sie hoffen, dass die Männer, die fortgegangen sind, um Arbeit zu finden, bald mit etwas Geld zurückkommen. Damit wir neu beginnen können. Wieder einmal.
Der Älteste der kleinen obdachlos gewordenen Siedlungsgemeinschaft beklagt sich nicht einmal. Er kann sich nicht erinnern, dass es je besser war, und meint, dass dieses armselige Leben ihm und den Seinen von jeher vorbestimmt war.

Rekorde der Armut
Die jährlichen Monsunregen verursachen besonders im Norden Indiens immer wieder Not und Elend. Die aus dem Himalaja herunterstürzenden Wassermassen verursachen Überflutungen und bedecken weite Teile des Landes mit Schlamm. Häufig verlagern sich die Flussufer, sodass die dort lebende Bevölkerung zu einem halbnomadischen Leben gezwungen ist. Der Bundesstaat Bihar hält im landesweiten Vergleich traurige Rekorde in Bezug auf Armut. 90 Prozent der Bewohner sind in der Landwirtschaft beschäftigt, zwei Drittel davon als Taglöhner auf den Feldern der Landlords, der reichen Bauern. Mit ihrem mageren und unregelmäßigen Einkommen können sie kaum ihre Grundbedürfnisse decken. Mangel- und Unterernährung sind die Folgen. Nur in wenigen Dörfern gibt es Gesundheitseinrichtungen, sanitäre Anlagen oder sauberes Trinkwasser. Das und die stagnierenden Gewässer sind die Ursache für die meisten Krankheiten, unter denen die Menschen leiden: Malaria, Durchfall, Lungenentzündung, Ruhr, Keuchhusten … Vier von fünf Frauen können hier weder Lesen noch Schreiben, selbst für indische Verhältnisse ein erschreckend hoher Prozentsatz.

Und was ist mit den Bananenstauden?
Die Dörfer, um die es in diesem Projekt geht, liegen im Norden des Gebietes von Bhagalpur, zwischen den Flüssen Ganges und Kosi. Wie kann man den Menschen hier helfen nicht mehr zu verzweifeln, sondern daran zu glauben, dass man etwas ändern kann? Sich zu motivieren, ihre wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte wahrzunehmen, Maßnahmen einzuleiten, die ihren wahren Bedürfnissen entsprechen und sie befähigen, aktiv zur Verbesserung ihrer Situation beizutragen? Diese Fragen wurden in zahlreichen Dorfversammlungen aufgebracht, und der Leiter dieses Projekts, M. M. Thakur, erzählt, wie man fündig geworden ist: „Auf dem durch die häufigen Überschwemmungen schlammigen Boden gedeihen Bananen sehr gut. Sie können zu jeder Jahreszeit angebaut werden und bieten so den Familien eine Bereicherung ihrer Nahrung. Wir fragten, was nach der Ernte der Früchte mit den Stauden geschieht. Nichts, sagten die einen, das sei wertloser Abfall. Andere erklärten, dass sie sie als Zusatz zur Rindernahrung oder getrocknet als Brennmaterial verwenden. Einige ganz Alte erinnerten sich, dass früher einmal ihre Großmütter verschiedene Sachen daraus hergestellt hatten. Und damit waren wir auf der richtigen Fährte.

Wertloser Abfall schafft Existenzgrundlage
Selbsthilfegruppen sind ein wesentlicher Faktor für sozialen und wirtschaftlichen Wandel. Die Frauengruppen in den Dörfern stellen das Rückgrat des Projekts dar: Sie lernen das zu verwerten, was bisher auf den Feldern ungenützt herumliegt und verrottet: Bananenstauden nach der Ernte“, erklärt Herr Thakur, Sozialarbeiter mit 30-jähriger Erfahrung und Leiter der lokalen Organisation Naujanlok, die bereits in Nachbarregionen zur Verbesserung der Lebenssituation armer Familien, vor allem der Dalits („Unberührbare”), beigetragen hat. Gemeinsam mit seiner Partner-Organisation Misereor möchte der Entwicklungshilfeklub dazu beitragen, dass die engagierte Arbeit in den Dörfern ausgeweitet werden kann. Das Projekt sieht vor, Selbsthilfegruppen für Frauen aufzubauen und sie für die Produktion, Weiterverarbeitung von Bananenfasern auszubilden.

So funktioniert es
Gewinnung der Fasern: Nach der Ernte werden die ineinander geschachtelten Blätter des „Bananenstamms“ getrennt und die Fasern herausgelöst. Dies erfolgt entweder händisch oder mit einfachen Maschinen, die sich eine oder mehrere Gruppen teilen.
Verarbeitung: Anschließend werden die Fasern gebleicht und getrocknet, eventuell gefärbt und weiterverarbeitet. Nach eigenen Einschulungen geschieht dies entweder in Heimarbeit oder in dafür eingerichteten Zentren. Die Fasern sind sehr reißfest und lassen sich leichter weiterverarbeiten als zum Beispiel Bast oder Bambusfasern.
Produkte: Taschen, Hüte, Untersetzer, Decken, Matten, Seile, Papier...
Vermarktung: Verkauf auf lokalen Messen, Ausstellungen und Märkten oder an Unternehmen außerhalb des Projektgebiets gemeinsam durch die beteiligten Gruppen. Für nicht verarbeitete Fasern gibt es ebenfalls Abnehmer.
Gewinn: Die beteiligten Frauen verpflichten sich, jeden Tag jeweils mindestens 200 Gramm Fasern zu erzeugen. Die Verrechnung erfolgt, ebenso wie für verkaufte Produkte, einmal wöchentlich.
Weiterentwicklung: Die Frauen eröffnen ein gemeinsames Sparkonto und erhalten damit Zugang zu geförderten Krediten für andere Initiativen im Dorf. Weiters haben sie als Gruppe die Möglichkeit, ihr Recht auf staatliche Unterstützungen geltend zu machen und durchzusetzen.

Unser Beitrag
Der Entwicklungshilfeklub bittet um Unterstützung für den Aufbau von 63 Frauengruppen in 22 Dörfern im Gebiet von Bhagalpur. Jede Gruppe wird aus durchschnittlich 12 Frauen gebildet, die durch die Gewinnung und Verarbeitung von Bananenfasern ein regelmäßiges Einkommen zur Existenzsicherung ihrer Familien erwirtschaften können. Für Aufbau und Betreuung einer Gruppe, für technische Geräte und handwerkliche Ausbildung werden für drei Jahre 954,- Euro benötigt. Für drei Frauen für drei Jahre (1 Mikro) sind dies 238,- Euro, für eine Frau für ein Jahr (1 Anteilstein) 26,- Euro. Tragen wir dazu bei, dass Frauen Blatt für Blatt die Lebensbedingungen der Menschen in einem der ärmsten Gebiete Indiens besser machen können.

Finanzieller Anteil:
238,- Euro (Unterstützung bei der Gewinnung und Verarbeitung von Bananenfasern für drei Frauen für drei Jahre) => Betrag von 1 Mikro

Anteilstein:
26,- Euro (für eine Frau für ein Jahr) => Betrag von 1 Anteilstein

Projektdurchführung:
Misereor (Partner-Organisation des Klubs)
Naujanlok (Durchführung im Einsatzgebiet)
M. M. Thakur (Projektkoordinierung)

Projektstart:
Jänner 2012

Download [1.4 MB]Projekt 259 - Blatt für Blatt [PDF, 1.4 MB]

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